DER ANSTRICH

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Mettmann Neandertalmuseum Kai Fobbe

DAS PROJEKT

Punkt 20:15 Uhr ist Zeit – nicht für einen film noir, sondern - für einen „film blanc“. Zur besten Spielfilmzeit wird die Videoinstallation „Der Anstrich“ auf Fassaden projiziert. Der Film macht Fassaden sichtbar, hebt die Orte aus der Dunkelheit hervor, lässt sie in weißem Licht erstrahlen und verankert sie so im Bewusstsein des Zuschauers.

DER FILM

Punkt 20:15 Uhr startet die Videoprojektion: Ein Schatten, ein in schwarz gekleideter Mann, taucht vor der dunklen Fassade auf. In der Hand einen Pinsel und einen Eimer mit weißer Farbe. Er taucht den Pinsel ein und streicht die Wand. Jeder filmische Pinselstrich ist ein neues Lichtfeld auf der dunklen Fassade und verwandelt die dunkle, schwarze Fläche in eine helle, weiße. Und auch der Schatten des Mannes wird peu à peu sichtbar. Der „schwarze“ Mann vor weißem Hintergrund verrichtet unbeirrbar und unerkennbar seine Arbeit, bis die Fassade einen Licht-Anstrich erhalten hat.

Die Fassade strahlt sichtbar in der Dunkelheit, bevor der Abstrich beginnt. Peu à peu wird die „Farbe“ wieder abgetragen. Mit jedem rückwärts ausgeführten Pinselstrich wird das Licht wieder weggenommen. Am Ende breitet sich die Dunkelheit aus und der Schatten verschwindet im Dunkel der Nacht. Ein Tatort ganz ohne Verbrechen. Eine Tat, die die Fassade für kurze Zeit in Licht getaucht hat. Ganz ohne Spuren, aber doch ein Bild, das sich ins Bewusstsein brennt und dort seine unverwischbaren Spuren hinterlässt.

DER FILM BLANC

Die Gattung des „Film Blanc“ gibt es natürlich nicht. Der Begriff hier ist lediglich spielerische An- und Umdeutung des Film noir. So wie der Film noir in den 1940er und 50er Jahren mit stark gezeichneten schwarz-weiß Kontrasten arbeitete, arbeitet auch „Der Anstrich“ mit dem Spiel zwischen Hell und Dunkel.

Doch während der film noir voller Pessismus mit zerrissenen Charakteren aus dem urbanen Umfeld bevölkert ist, ist der film blanc ein positives Signal außerhalb von Metropolen. Hier wird kein Verbrechen in Szene gesetzt, sondern ein Ort, der zur Leinwand für Imaginationen wird; es entsteht ein Möglichkeitshorizont.

„Der Anstrich“ dauert wie jeder normale Spielfilm genau 90 Minuten. Es ist ein Anstrich, der ephemer bleibt und kurz aufleuchtet. Und doch wirkt das Ereignis - genau wie jeder gute Film – auf unbestimmte Zeit nach. Der Film verankert den Ort, den die Kunst für einen kurzen Moment sichtbar macht, im Gedächtnis.